Der Weg der SRG in einer sich rasch verändernden Welt

Susanne Wille, Generaldirektorin SRG, und Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident SRG (Bild: SRG / Mirjam Kluka)

In einer Zeit, in der sich internationale Konflikte in Echtzeit auf dem Smartphone verfolgen lassen und künstliche Intelligenz die Mediennutzung grundlegend verändert, kommt verlässlichem und unabhängigem Journalismus eine zentrale Rolle zu. Medien liefern nicht nur Nachrichten – sie helfen, den Überblick zu behalten, bieten Raum für Debatten und Vielfalt und fördern Orientierung und Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Die SRG nimmt diese Verantwortung seit über 90 Jahren wahr und passt sich dabei laufend der Art und Weise an, wie Menschen Medien nutzen. Sie passt sich auch laufend den sich wandelnden Realitäten auf dem Medienmarkt an. Dies gilt insbesondere auch für das Jahr 2025. Anlässlich der Initiative «200 Franken sind genug!», über welche die Stimmbevölkerung am 8. März 2026 abgestimmt hat, wurde einmal mehr darüber diskutiert, welche Rolle die SRG in der zukünftigen Schweizer Medienlandschaft einnehmen soll.

Mit dem Nein der Stimmbevölkerung wurde klar: Die SRG soll weiterhin – auch online – einen starken medialen Service public bereitstellen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir im Status Quo verharren. Im Gegenteil: Unabhängig vom Entscheid am 8. März wird sich die SRG weiterentwickeln. Wir tun dies, weil wir es wollen, weil wir es aufgrund der veränderten Mediennutzung als notwendig erachten und weil uns der Bundesrat neue finanzielle Rahmenbedingungen vorgibt. Bis 2029 müssen wir rund 270 Millionen Franken einsparen – bedingt durch die Reduktion der Medienabgabe, sinkende kommerzielle Einnahmen und steigende Kosten durch die Teuerung.

Bereits 2024 haben wir den unternehmensweiten Transformationsprozess Enavant – auf Rätoromanisch «vorwärts» – angestossen. Unser Ziel ist, die SRG so aufzustellen, dass sie die Menschen auch in Zukunft im Alltag mit relevanten Inhalten begleiten kann. Wir werden schlanker, effizienter, beweglicher und digitaler. Enavant zielt darauf ab, die Zusammenarbeit über alle Regionen hinweg zu stärken, Strukturen zu vereinfachen und Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten, so dass die SRG für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet ist.

«Transformation, Effizienzsteigerung und Sparmassnahmen sind kein Selbstzweck. [...] Alle Menschen in der Schweiz sollen sich auf qualitativ hochwertigen Journalismus und ein vielfältiges Programm verlassen können.»

Im Frühjahr und Sommer 2025 haben wir über die neue Organisationsstruktur, die Führungsmodelle und Prozesse informiert, die in den kommenden Monaten umgesetzt werden. Das bisher dezentral organisierte Medienhaus mit weitgehend autonomen Einheiten wächst jetzt zusammen, macht gemeinsam, was gemeinsam gemacht werden kann, ohne die regionale Verankerung und Nähe zu den verschiedenen Kultur- und Sprachräumen aufzugeben.

Die Transformation betrifft nicht nur die Organisation, sondern auch die Unternehmenskultur. Neue Prozesse, gemeinsame Standards und eine engere Kooperation über die Sprachgrenzen hinweg erfordern ein Umdenken – von allen Mitarbeiter:innen. Effizienz und Sparsamkeit sollen nicht auf Kosten von Kreativität und journalistischer Freiheit gehen.

Die neue finanzielle Realität wirkt sich auch auf das Personal aus: Bis 2029 werden rund 900 Vollzeitstellen abgebaut. Es ist klar, dass dies für die Betroffenen einschneidend ist. Wir werden sie mit sozialverträglichen Massnahmen unterstützen.

Indem wir Strukturen modernisieren, Synergien konsequent nutzen und den Ausbau digitaler Angebote gezielt vorantreiben – von On-Demand-Inhalten bis zur Distribution auf verschiedenen Plattformen und Kanälen –, stellen wir Inhalte dort bereit, wo das Publikum sie erwartet: linear, digital, mobil und zeitunabhängig. So sichern wir die Zukunftsfähigkeit, Innovationskraft und Leistungsstärke der SRG.

Transformation, Effizienzsteigerung und Sparmassnahmen sind kein Selbstzweck. Sie dienen dem Auftrag der SRG: Alle Menschen in der Schweiz sollen sich auf qualitativ hochwertigen Journalismus und ein vielfältiges Programm verlassen können. Nur so kann die SRG Unabhängigkeit, Zusammenhalt und Vielfalt in einer komplexen und sich rasch verändernden Welt aufrechterhalten und Fake News die Stirn bieten.

Susanne Wille
Generaldirektorin SRG

Jean-Michel Cina
Verwaltungsrats­präsident SRG