Mit Enavant stellt sich die SRG neu auf und wird schlanker und digitaler
Die SRG steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Ab 2027 sinkt die Medienabgabe pro Haushalt in zwei Schritten von 335 auf 300 Franken. Gleichzeitig verändern sich das politische und mediale Umfeld sowie die Nutzungsgewohnheiten des Publikums. Um weiterhin ein qualitativ hochstehendes Programm für alle Bevölkerungsgruppen anbieten zu können, hat die SRG Ende 2024 den Transformationsprozess Enavant lanciert. Sein Ziel: digitaler, schlanker, beweglicher werden, weiterhin für die Schweizer Bevölkerung relevant sein und die Zusammenarbeit über die Regionen hinweg stärken.
Der Bundesrat hat entschieden, die Medienabgabe für Haushalte von 2027 bis 2029 in zwei Schritten von 335 auf 300 Franken zu senken und weitere Unternehmen von der Abgabe zu befreien. Die Reduktion der Medienabgabe, der Rückgang der kommerziellen Einnahmen sowie die laufende Teuerung führen dazu, dass die SRG bis 2029 rund 17 Prozent oder 270 Millionen Franken ihres Budgets im Vergleich zu 2024 einsparen muss. Davon entfallen bereits 125 Millionen Franken auf 2027.
Damit das Angebot so lange wie möglich verschont und nur so wenig wie möglich reduziert werden muss, spart die SRG durch den Abbau von Doppelspurigkeiten bei Human Resources, Finanzen, Stab, Operationen und Kommunikation zuerst in den Strukturen. Deshalb muss sich die SRG grundlegend anders aufstellen, Prozesse und Standards vereinheitlichen, Inhalte gemeinsam entwickeln und diese vermehrt in allen vier Sprach- und Kulturräumen der Schweiz verbreiten. Sie macht dies mit dem Transformationsprojekt Enavant. Das ist Rätoromanisch und heisst übersetzt «vorwärts».
Visual des Transformationsprojekts «Enavant SRG SSR»
Das sind die Pfeiler von Enavant:
Die Strukturen werden verschlankt: Seit dem 1. Januar 2026 sind die Funktionsbereiche Finanzen und Human Resources unternehmensweit zusammengeführt und mit regionalen Fachteams organisiert. Neu vereint die Direktion «Angebot» die bisherigen Bereiche Angebot und Distribution. Auch Technologie und Produktion werden künftig unter der Direktion «Operationen» gemeinsam geführt. Weitere Bereiche wie Stab, Kommunikation und Public Affairs werden ebenfalls national geführt.
Die Führung wird vereinheitlicht: Die Geschäftsleitung wurde per 1. April 2026 von neun auf acht Mitglieder reduziert.
Synergien werden genutzt: Produktions- und Technologieteams arbeiten SRG-weit unter einer Linie. Fiktion und Sport werden zentral koordiniert, um Synergien zu schaffen und Eigenproduktionen optimal zu planen. Zudem wird die Tochtergesellschaft SWISS TXT aufgelöst. Ihre Leistungen und Expertise werden in die Konzernorganisation integriert.
Swissinfo wird neu positioniert: Die internationale Einheit Swissinfo wurde am 1. April 2026 der neuen Direktion «Angebot» zugeordnet. Die Organisation und Ausrichtung ist indes abhängig vom politischen Prozess, der sich direkt auf die Finanzierung des Auslandangebots der SRG auswirkt.
Transformation der SRG nicht ohne Stellenabbau möglich
Die Transformation ist für die SRG eine grosse Herausforderung, denn sie betrifft das ganze Unternehmen und somit alle Mitarbeiter:innen. Rund 500 von ihnen sind zudem neben ihrem angestammten Tagesgeschäft intensiv in die Ausarbeitung der Enavant-Massnahmen involviert, was den Arbeits- und Zeitdruck erhöht.
Trotz weitreichender Zusammenführungen und Optimierungen können die Sparziele leider nicht ohne Reduktion des Personalbestandes erreicht werden. Bis 2029 ist ein Abbau von rund 900 Vollzeitstellen vorgesehen. Ein Teil davon wird über Fluktuation und Pensionierungen abgebaut, der andere über Kündigungen. Für Betroffene kommt der Sozialplan der SRG zum Zug.
Die SRG behält ihre Stärken bei und entwickelt ihr digitales Angebot weiter
Die regionale Verankerung ist die DNA und Stärke der SRG und soll durch den Effizienzgewinn von Enavant weiterhin grösstmöglich erhalten bleiben. Die SRG stellt in den Regionen weiterhin die inhaltliche Nähe zum Publikum sicher. Inhalte, die für mehrere Regionen von Interesse sind, teilt sie künftig vermehrt.
Die SRG wird auch digitaler. Sie orientiert sich stärker an den veränderten Gewohnheiten des Publikums und richtet ihr Denken und Handeln auf die digitale Nutzung aus. Die eigenen digitalen Plattformen erhalten dank einer SRG-weiten Steuerung mehr Gewicht, wovon das Publikum profitiert. Dies ist umso wichtiger, weil die Sparmassnahmen auch gezielte Einschnitte im Programm mit sich bringen.
Die SRG nutzt die aktuellen Herausforderungen als Chance, um sich zukunftsfähig aufzustellen und ihre Rolle als wichtige Service-public-Anbieterin auf dem Schweizer Medienmarkt zu erhalten und zu verankern. Denn Themen wie Desinformation, Fake News, Erosion der Demokratie und einseitige Berichterstattung werden uns auch in den nächsten Jahren begleiten.