Die Informations- und Nachrichtensendungen der SRG berichten über Aktuelles aus der Schweiz und der Welt. Sie bieten eine schweizerisch geprägte, unabhängige Sicht auf das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen. Fernsehsendungen zu Aktualität und Information machten im Berichtsjahr 34 Prozent der Sendezeit aus, Radiosendungen 15 Prozent.

4. März 2018: Das Schweizer Volk entscheidet über die Zukunft des medialen Service public

Am 4. März 2018 stimmte das Schweizer Volk über die Initiative zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren (No-Billag-Initiative) ab. Mit 71,6 Prozent lehnten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das Volksbegehren ab. Das deutliche Nein war nicht voraussehbar. Für die SRG und ihre Unternehmenseinheiten waren die Monate der Abstimmungsdebatte von grosser Ungewissheit geprägt. Als öffentliches Medienhaus, das zu 75 Prozent mit Gebührengeldern finanziert ist, war die SRG vom Ausgang der Abstimmung stark betroffen. Bei einer Annahme der Initiative hätte die SRG ihre Radio- und Fernsehstandorte aufgeben und die Produktion einstellen müssen. Die Redaktionen der Unternehmenseinheiten berichteten und informierten über die No-Billag-Initiative dennoch wie über jede andere Abstimmung. Dabei folgten sie strikten publizistischen Leitlinien. Im Vorfeld berichteten die Redaktionen über die offiziellen Pro- und Kontra-Komitees sowie über die Parolen der Parteien – Gegner und Befürworter kamen gleichermassen zu Wort. Auf die Ausgewogenheit der Beiträge achteten die Redaktionen besonders streng: Bei Podiumsdiskussionen und Debatten wurden die Redezeiten für jede politische Seite akribisch gemessen. Die Berichterstattung wurde minutiös geplant und im Nachgang genau analysiert.

«Wir behandelten die No-Billag-Initiative wie jede andere Initiative: ausgewogen, fair und gemäss unseren publizistischen Leitlinien.»

Valentin Schmed
Leiter Aktualität RTR

Grosses mediales Echo

Die Initiative erfuhr eine aussergewöhnlich frühe und hohe Medienresonanz. Während Abstimmungsvorlagen in der Regel erst rund zwei Monate vor Abstimmungsdatum ein Medienthema werden, ging die Debatte um die No-Billag-Initiative bereits im November intensiv los. Wie Untersuchungen des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) zeigten, erhielt die No-Billag-Initiative in der frühen Phase der Abstimmung fast sechsmal so viel Beachtung wie die Abstimmung über die Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) von 2015 und fast fünfzehnmal so viel wie die Durchsetzungsinitiative von 2016 – beides Abstimmungen, die in der «heissen Abstimmungsphase» überdurchschnittlich viel Resonanz auslösten. Insgesamt erschienen während der Abstimmungsphase zur No-Billag-Initiative in Schweizer Zeitungen rund 10 000 Print-Beiträge – das macht etwa 65 Artikel pro Tag. Der Abstimmungskampf fand zu einem grossen Teil auch im digitalen Raum statt. Allein via Twitter äusserten sich über 9000 Userinnen und User in rund 70 000 Tweets zum Thema No Billag. Auch ausländische Medien verfolgten die Debatte in der Schweiz gespannt und berichteten umfassend über das Abstimmungsergebnis vom 4. März 2018. ­Allein zwischen dem 1. und 6. März erschienen in ausländischen Publikationen rund 4000 Artikel.

Regionaljournale von SRF: für alles Relevante aus den Regionen

Das deutliche Nein zu No Billag war auch ein Votum für den unabhängigen Journalismus, der in den Regionen verankert ist – und damit ein Bekenntnis zu den Regionaljournalen von Radio SRF. 1978 gingen die ersten zwei an den Start; 2018 informierten sieben Regionaljournale auf Radio SRF 1 bis zu fünfmal täglich aus verschiedenen Gebieten der Deutschschweiz, in total rund 1700 Sendestunden. Radio SRF 1 feierte den 40. Geburtstag der Regionaljournale am 23. November 2018 mit einem speziellen Programm: Es bot Einblicke ins journalistische Schaffen der Regionalredaktionen, eine Spezialausgabe von «Regional Diagonal», Hörerwünsche für Reportagen und einen «Hallo SRF!»-Chat.

Neues Konzept für Abstimmungssendungen bei RTS

Für die Abstimmungssendung vom 10. Juni 2018 bündelte RTS die Kräfte und politischen Kompetenzen ihrer Radio-, TV- und Multimediaredaktionen. Gemeinsam produzierten die Redaktionen am Abstimmungssonntag eine umfassende Nachrichtensendung, die von 12.05 Uhr bis 15.00 Uhr durchgehend auf RTS Un, RTS La Première, RTS Info en continu und RTSinfo.ch sowie in den sozialen Medien von RTS Info ausgestrahlt wurde. Das Fernsehnachrichtenstudio in Genf übernahm unter David Berger die operative Leitung. Das Radionachrichtenstudio in Lausanne bildete das redaktionelle Herzstück der Sendung. Und Romaine Morard berichtete aus ihrem mobilen Studio live vor Ort. Die Abstimmungssendung erforderte eine perfekte Koordination der drei zuständigen Studios. Zusammen mit den Abstimmungssendungen vom 23. September 2018 und 25. November 2018 erreichte die Sendung im Fernsehen durchschnittlich 35 000 Zuschauerinnen und Zuschauer (17,4 Prozent Marktanteil).

Abstimmungs­sendung vom 10. Juni 2018 bei RTS Un.

Beliebte TV-Informationsmagazine: «Falò» und «Patti chiari»

Die beiden TV-Informationsmagazine «Falò» und «Patti chiari» erzielten 2018 weitere Erfolge. Die Beiträge von «Falò» wurden thematisch regelmässig von der Presse aufgegriffen und stiessen in der Öffentlichkeit immer wieder Diskussionen an. Die Wertschätzung der Sendung zeigt sich auch an den hohen Nutzerzahlen: «Falò» erzielte in der italienischen Schweiz einen Marktanteil von 25,4 Prozent. «Patti chiari» erreichte 2018 einen Marktanateil von 31 Prozent. Auf Youtube verfügt «Patti chiari» mit 1,3 Millionen Zugriffen über eine grosse Fangemeinde – wie auch auf Facebook: Hier hat «Patti chiari» inzwischen mehr als 30 000 Follower.

Anspruchsvolle Berichterstattung im Fall des Bündner Baukartells

Im Frühjahr sorgte ein Bündner Baukartellskandal für Aufregung in den regionalen Medien. Die Wettbewerbskommission (Weko) hatte festgestellt, dass es im Engadin zu illegalen Preisabsprachen gekommen war, woraufhin verschiedene lokale Bauunternehmen in Millionenhöhe gebüsst wurden. Die Berichterstattung rund um das Bündner Baukartell stellte die Journalistinnen und Journalisten von RTR vor eine beachtliche Herausforderung. Als besonders anspruchsvoll erwies sich die Überprüfung der einzelnen Projekte, die im Bericht der Weko nur am Rande erwähnt wurden. An oberster Stelle stand dabei der sorgfältige Umgang mit Quellen und der Schutz der Privatsphäre der dargestellten Personen. RTR berichtete und informierte sowohl via Radio und Fernsehen als auch online über die Hintergründe des Vorfalls im Engadin.

Ein publizistisches Angebot für das Ausland

Die Schweiz war schon immer ein Land, das dank Diplomatie und Beziehungen zum Ausland als «Land der guten Dienste» sowie als internationale Diskussionsplattform wahrgenommen wurde. Der interkulturelle Austausch ist eine Stärke der Schweiz.

Die Schweiz muss auch in einer zunehmend global vernetzten Welt international unabhängig und wirkungsvoll agieren können. Wenn sie im globalen Wettbewerb der Perspektiven nicht vergessen gehen will, braucht sie einen starken, unabhängigen und glaubwürdigen Auslandauftrag.

Der Bundesrat beauftragt deshalb die SRG, für das Ausland ein publizistisches Angebot bereitzustellen. Um diesen Auftrag zu erfüllen, stellt die SRG mit den Onlineplattformen SWI swissinfo.ch und tvsvizzera.it ein mehrsprachiges, multimediales Informationsangebot bereit. Die SRG arbeitet ausserdem mit den internationalen Sendern TV5 Monde und 3Sat zusammen. Das publizistische Angebot richtet sich an ein internationales, an der Schweiz interessiertes Publikum sowie an Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer. Auf diese Weise tragen SWI und das übrige Auslandangebot dazu bei, dass die Anliegen der Schweiz weltweit wahrgenommen und verstanden werden.

SWI swissinfo.ch – die Stimme der Schweiz im Ausland

SWI swissinfo.ch berichtet in den zehn Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Chinesisch, Arabisch, Japanisch und Russisch. SWI ordnet aktuelle Entwicklungen und Entscheide in der Schweiz ein. Gleichzeitig berichtet SWI aus Schweizer Sicht über internationale Brennpunkte, aktuelle Geschehnisse sowie Konflikte im In- und Ausland. SWI operiert auf vier Ebenen und erreicht so Monat für Monat über eine Million Nutzerinnen und Nutzer:

  • News: Die englische Redaktion stellt täglich die wichtigsten Schweizer Nachrichten für ein internationales Publikum zusammen. Eine Auswahl der News, angereichert durch Schweizer Nachrichten mit einer spezifischen Relevanz in der entsprechenden Sprachregion, wird auch in allen anderen SWI-Sprachen publiziert.
  • Expertise: Journalistinnen und Journalisten aus verschiedenen Sprachredaktionen tauschen sich in Fachgruppen regelmässig zu Schwerpunktthemen wie «Direkte Demokratie», «Bildungswelt Schweiz» oder «Internationales Genf» aus.
  • Serviceleistungen: SWI bietet Hintergründe und Analysen zu aktuellen Themen und Debatten in der Schweiz. SWI informiert auf www.swissinfo.ch und auf den sozialen Medien schnell, kompakt und multimedial.
  • Globale Kompetenz: Die zehn Sprachredaktionen messen den Puls in ihren Sprach- und Kulturregionen. Denn sie erreichen mit ihren Inhalten nicht nur die europäischen Nachbarländer, sondern auch jene Länder, deren Medien nicht unabhängig agieren können.

«Über swissinfo.ch können wir relevante Meinungen aus der Schweiz präsentieren, ohne dass wir unsere Rolle als unabhängige Plattform aufgeben.»

Larissa M. Bieler
Direktorin SWI swissinfo.ch